Politischer Puls
Wer bei der Prävention spart, zahlt später doppelt
Prävention kostet Geld – fehlende Prävention kostet mehr. Während Bund und Kantone Sparmassnahmen diskutieren, nehmen chronische Krankheiten, psychische Belastungen und der Fachkräftemangel weiter zu. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob wir uns Prävention leisten können, sondern ob wir es uns leisten können, darauf zu verzichten.
Die politischen Signale sind nicht zu übersehen: Die öffentlichen Finanzen geraten stark unter Druck. Mit dem Entlastungspaket 2027 sollen die Bundesausgaben in den kommenden Jahren um Milliarden reduziert werden. Auch das Bundesamt für Gesundheit setzt Sparmassnahmen um. Ab 2026 muss das BAG jährlich rund 11 Millionen Franken einsparen und Stellen abbauen. Betroffen sind unter anderem Programme in den Bereichen Prävention, gesundheitliche Chancengerechtigkeit und Gesundheitsförderung. Diese Entwicklung wirft eine grundsätzliche Frage auf: Sparen wir an den Ursachen – oder zahlen wir später für die Folgen?
Denn gerade jetzt steigen die Herausforderungen. Chronische Krankheiten, psychische Belastungen und soziale Ungleichheiten nehmen zu. Dazu verschärft sich der Fachkräftemangel weiter. Und gleichzeitig diskutiert die Schweiz intensiv über die Zukunft der Grundversorgung und über die langfristige Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems. Wer diese Herausforderungen bewältigen will, muss Prävention und Gesundheitsförderung stärken – nicht schwächen. Denn sie entlasten das ganze Gesundheitssystem.
Die Ergebnisse der Stakeholderkonferenz 2025 weisen genau in diese Richtung. Gefordert werden eine stärkere Vernetzung von Gesundheit, Sozialem und Bildung, mehr Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung sowie eine nachhaltige und koordinierte Finanzierung von Prävention.
Auch die künftige Dachstrategie NCD, Sucht und psychische Gesundheit setzt auf Gesundheit, Resilienz und Chancengerechtigkeit sowie eine stärkere Kooperation und Koordination der Akteur*innen. Prävention wird dabei ausdrücklich als Aufgabe entlang des gesamten Kontinuums von «gesund» bis «krank» verstanden.
Genau hier liegt die Rolle von Gesundheitsförderung Schweiz. Als nationale Plattform bringt Gesundheitsförderung Schweiz Bund, Kantone, Versicherer, Fachorganisationen und weitere Partner an einen Tisch. Mit unserer Arbeit schaffen wir Orientierung, fördern den Wissenstransfer und sorgen dafür, dass Prävention nicht an institutionellen Grenzen scheitert. Die laufenden Strategiearbeiten zeigen zudem deutlich: Nachhaltige Finanzierungsmodelle, koordinierte Fördergefässe und eine stärkere Verankerung von Prävention in der Grundversorgung gehören zu den zentralen Zukunftsaufgaben.
Die politische Debatte sollte deshalb nicht primär darum kreisen, wo sich kurzfristig Mittel einsparen lassen. Es braucht gerade jetzt den Mut, Gesundheitsförderung nicht als Kostenfaktor, sondern als Investition zu betrachten. Als eine, die sich lohnt.